Zur Kunst braucht es zwei

Es gibt so etwas wie Liebe zu einem Kunstwerk. Aber Liebe auf den ersten Blick? So etwas existiert, glaube ich, weder im Verhältnis zu Menschen noch zur Kunst. Nehmen wir Musik als Beispiel: Für mich war es immer notwendig, ein Stück Musik zu kennen, um sich seiner durch und durch zu erfreuen. Man muss durch wiederholte Begegnung mit der Musik mit derselben bekannt werden, sich gleichsam in sie verlieben.

Dies brachte mich auf folgenden Gedanken: Wenn wir uns zu einem Stück Musik ins Verhältnis setzen, dann ist es so, als müssten wir zu dessen Aufführung gleichermaßen etwas beitragen, gerade so als führten wir es mit auf. Unser Geist wird zur Bühne und das Vorhören ist gleichbedeutend mit dem Kennenlernen der Musik. Man übt und stimmt sich ein und bringt es danach zur Aufführung. Wenn man zum ersten Mal ein Stück Musik vernimmt und es nicht empfindet, dann liegt das daran, dass man noch nicht bereit für es ist. Dieser Umstand beweist, dass wir uns nie passiv zur Kunst verhalten, dass unser Verhältnis zur Kunst wesenhaft aktiv.

Liebe ist Freundschaft

Das Tragische einer jeden Liebesbeziehung ist, dass das körperliche Verlangen nach einer Person diese zugleich bedingt und verhindert. Mir scheint, dass die letzte, höchste und reifste Stufe der partnerschaftlichen Liebe eine Freundschaft ist, da sie interesselos und nicht mehr davon abhängig ist, ob die andere Person dieses oder jene Verlangen befriedigt.